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Kyrill von Alexandria

 

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Kyrill von Alexandrien

Kyrill I. (auch Kyrillos oder Cyrill(us); * um 375/80 in Alexandria; † 27. Juni 444 ebenda) war vom 15. Oktober 412 bis zu seinem Tode Patriarch von Alexandrien. Er gilt als Heiliger, Kirchenvater und Kirchenlehrer. Kyrill war schon zu Lebzeiten eine sehr umstrittene Gestalt und ist es in der theologischen Geschichtsschreibung seither geblieben. Er gilt einerseits als einer der großen theologischen Denker seiner Zeit, andererseits als temperamentvoll, impulsiv und undiplomatisch.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
  • 2 Leben
  • 3 Werk
  • 4 Gedenktag
  • 5 Rezeption
  • 6 Literatur
  • 7 Weblinks
  • 8 Einzelnachweise

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Kyrill lebte in einer Zeit, in der Alexandria seine Rolle als traditionell bedeutendstes Patriarchat und theologisches Zentrum des Ostens immer stärker von der Reichshauptstadt Konstantinopel streitig gemacht wurde. Daher spielten bei den theologischen Auseinandersetzungen zwischen Alexandria und Konstantinopel in dieser Zeit meist auch machtpolitische Faktoren eine Rolle. Kyrill wurde 40 Jahre nach dem Tod des Athanasius Patriarch von Alexandria. Dreißig Jahre vor seinem Amtsantritt fand das erste Konzil von Konstantinopel statt, in dem der Konfliktpunkt bezüglich des Arianismus entschieden und die Trinitätslehre ausformuliert worden war.

Kyrill war einer der Protagonisten der christologischen Kontroverse zu Beginn des 5. Jahrhunderts, die sich teils aus von der Trinitätslehre aufgeworfenen Fragen und teils aus dem langjährigen Konflikt zwischen den theologischen Schulen Antiochias und Alexandrias speiste. Kyrills Vorgänger im Amt des Patriarchen von Alexandria war sein Onkel Theophilos I. (Amtszeit 385–412), der während seiner Herrschaft den damaligen Patriarchen von Konstantinopel, Johannes Chrysostomos (um 345–407), bekämpft hatte.

Leben

Über sein Leben vor seinem Amtsantritt als Patriarch ist nicht viel bekannt. Er war der Sohn einer Schwester des Patriarchen Theophilos I. und wahrscheinlich einige Zeit lang ein Mönch. 403 begleitete er Theophilos nach Konstantinopel. Seine Wahl zum Patriarchen nach dem Tod seines Onkels war nicht unumstritten. Insbesondere Orestes, der um 415 Präfekt von Ägypten war, gehörte zu seinen Gegnern, da er Kyrill als Rivalen im Kampf um die Herrschaft über Alexandria ansah, eine Einschätzung, die sich als richtig erwies.

Kyrill dehnte im Verlauf seiner Amtszeit seine Macht innerhalb und außerhalb Alexandrias mit Hilfe von Intrigen, Gewalt und Diplomatie beständig aus. Sein größter Rivale außerhalb Alexandrias war das Patriarchat von Antiochia. Die beiden Patriarchate vertraten in Christologie, Bibelauslegung und Eucharistie jeweils unterschiedliche Lehrmeinungen. Der Patriarchatsstuhl in Konstantinopel wurde immer wieder von Vertretern einer der beiden Schulen besetzt. Der mit dem Kampf um die richtige Lehre verbundene Machtkampf eskaliert im Streit mit dem konstantinopolitanischen Patriarchen Nestorius.

Kyrills erste Amtsjahre waren von großen Unruhen gekennzeichnet. Er geriet unter anderem mit den schismatischen Novatianern in Konflikt, deren Kirchen er schließen ließ, wie es einige Jahre zuvor Johannes Chrysostomos in Ephesos getan hatte. Im Jahr 415 stiftete der Lektor Petrus den christlichen Pöbel Alexandrias zum Mord an der angesehenen neuplatonischen Philosophin und Wissenschaftlerin Hypatia an. Der Hintergrund ihrer Ermordung ist bis heute umstritten. In den frühesten kirchenhistorischen Quellen ist von einer Beteiligung Kyrills an diesem Ereignis noch keine Rede. Walker spricht gestützt auf Edward Gibbon davon, dass Kyrillos fanatisierte Christen zu dem Mord angestachelt habe und dafür gesorgt habe, dass die offizielle Untersuchung eingestellt wurde, indem er und seine Untergebenen die öffentlichen Behörden bestachen.

Beim Konzil von Ephesos im Jahr 431 setzte Kyrill gegen den Widerstand des Nestorius die Lehre von der Gottesmutterschaft Marias durch. So wurde ein letztes Mal ein Kompromiss zwischen der antiochenischen und alexandrinischen Lehrmeinung erreicht. Wenige Jahre nach Kyrills Tod, im Jahre 451, fand das Konzil von Chalcedon statt, auf dem sich das Patriarchat von Alexandria endgültig von der Reichskirche lossagte und zur koptischen Kirche wurde.

Werk

Kyrill hinterließ ein umfangreiches schriftliches Werk, das nur teilweise erhalten ist. Die erhaltenen Werke Kyrills umfassen zehn Bände der von Jacques Paul Migne herausgegebenen Reihe der Patrologie, Patrologia cursus completus, von Aubert erschienen 1638 in Paris sieben Bände. Er ist damit neben Johannes Chrysostomos, Augustinus von Hippo und Hieronymus einer der Kirchenväter, von denen am meisten Werke erhalten sind.

Gedenktag

Die römisch-katholische und die altkatholische Kirche gedenken seiner an seinem Todestag, dem 27. Juni. Die griechisch-orthodoxe Kirche feiert Kyrill am 9. Juli und erinnert an ihn zum Fest des heiligen Athanasius am 18. Januar.

Rezeption

Der Mondkrater Cyrillus ist nach ihm benannt.

Im spanischen Kinofilm Agora – Die Säulen des Himmels (2009) wird Kyrills Aufstieg und der Konflikt mit Hypatia thematisiert.

Literatur

  • Konrad F. Zawadzki, Syrische Fragmente des Kommentars Cyrills von Alexandrien zum 1. Korintherbrief, Zeitschrift für Antikes Christentum 21 (2017), 304-360
  • Konrad F. Zawadzki, Der Kommentar Cyrills von Alexandrien zum 1. Korintherbrief. Einleitung, kritischer Text, Übersetzung, Einzelanalyse, Traditio Exegetica Graeca 16, Leuven-Paris-Bristol 2015
  • Theresia Hainthaler: Cyrill von Alexandrien / Väter der Kirche im 5. und 6. Jahrhundert und in der Ökumene heute?, aus Johannes Arnold, Rainer Berndt, Ralf M. W. Stammberger: Väter der Kirche / Ekklesiales Denken von den Anfängen bis in die Neuzeit, Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2004, Seite 283–312
  • Christopher A. Hall: Learning Theology with the Church Fathers. 2002, S. 83–99, ISBN 0-8308-2686-6.
  • Edward R. Hardy: Cyrillus von Alexandrien. In: Theologische Realenzyklopädie 8, 1981, S. 254–260.
  • Eirini Artemi: «The mystery of the incarnation into dialogues «de incarnatione Unigenitii» and «Quod unus sit Christus» of St. Cyril of Alexandria», Ecclesiastic Faros of Alexandria, ΟΕ (2004), 145-277.
  • Eirini Artemi: St Cyril of Alexandria and his relations with the ruler Orestes and the philosopher HypatiaΟ, Ecclesiastic Faros of Alexandria, τ. ΟΗ (2007), 7-15.
  • Eirini Artemi: The one entity of the Word Incarnate. α). Apollinarius’ explanation, β)Cyril’s explanation, Ecclesiastic Faros of Alexandria, τ. ΟΔ (2003), 293 – 304.
  • Eirini Artemi: The historical inaccurancies of the film Agora about the murder of Hypatia, Orthodox Press, τεύχ. 1819 (2010),7.
  • Eirini Artemi: The use of the ancient Greek texts in Cyril’s works, POREIA MARTYRIAS, (2010), 114-125
  • Eirini Artemi: The rejection of the term Theotokos by Nestorius Constantinople and the refutation of his teaching by Cyril of Alexandria, Oxford, August 2011, online bei egolpion.com
  • Bernd Kettern: KYRILLOS, Patriarch von Alexandrien. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 876–887.
  • John Chapman: St. Cyril of Alexandria. In: Catholic Encyclopedia, Band 4, Robert Appleton Company, New York 1908.
  • Cyrillus, S. (1). In: Johann E. Stadler, Franz Joseph Heim, Johann N. Ginal (Hrsg.): Vollständiges Heiligen-Lexikon ..., 1. Band (A–D), B. Schmid’sche Verlagsbuchhandlung, Augsburg 1858, S. 709–710.
  • Hermann Josef Vogt: Kyrillos, Patriarch von Alexandria (412-444). In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 5, Artemis & Winkler, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 1599 f.

Weblinks

Bild anzeigen Commons: Kyrill von Alexandria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Literatur von und über Kyrill von Alexandria im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Cyrill von Alexandria im Ökumenischen Heiligenlexikon
  • Projektgruppe Kyrill von Alexandrien, Contra Iulianum. Edition, Übersetzung, Kommentar, Konkordanz (mit weiterführenden Links)
  • Werke in der Bibliothek der Kirchenväter (deutsch)
  • Gesamtwerk von Migne Patrologia Graeca mit Inhaltsverzeichnis

Einzelnachweise

  1. Sokrates Scholastikos: Eccl. hist. VII. Band 15
  2. Barbara G. Walker: Das geheime Wissen der Frauen – Ein Lexikon. Zweitausendeins, Frankfurt/Main 1993
  3. Edward Gibbon: Verfall und Untergang des römischen Reiches. Aus dem Englischen übersetzt von Johann Sporschil. Greno, Nördlingen 1987
  4. Rainer Berndt, Ralf M. W. Stammberger: Väter der Kirche / Ekklesiales Denken von den Anfängen bis in die Neuzeit, Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2004, Seite 283
Vorgänger Amt Nachfolger
Theophilos I. Patriarch von Alexandria
412–444
Dioskoros I.

 


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